
Wöchentliche Portion Literatur #05
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Gott weiß, wir sollten uns niemals unserer Tränen schämen.
Charles Dickens
Dieses Zitat – ob gläubig oder nicht – ist SO wahr und SO wichtig. Als ich vor einigen Wochen das „Drama“ rund um die Solo Leveling-Folge mit – OH SCHRECK – Emotionen mitbekommen habe.
Aber nun zu etwas Wissen rund um Charles Dickens,
einen der relevantesten Autoren der Weltliteratur.
Auch Charles Dickens hatte natürlich mehr Namen: Charles John Huffam Dickens. Er wurde im Februar 1812 geboren und lebte bis Juni 1870 in England. Zu seinen wohl bekanntesten Werken gehören neben „Oliver Twist“ und „David Copperfield“ auch Geschichten wie „A Christmas Carol“, welche wir vermutlich alle zumindest als Film-Version oder Bilderbuch kennen.
Charles war das zweite von ganzen acht Kindern (waren halt doch noch andere Zeiten) des Ehepaars John und Elizabeth Dickens. Durch häufiges Umziehen und Leben über dem Standard führten dazu, dass ihr Vater ins Schuldgefängnis Londons gehen musste – da war Charles gerade einmal 12 Jahre alt. Da es damals nicht unüblich war, zog die Mutter mit Charles sieben anderen Geschwistern ebenfalls in das Gefängnis. Lediglich Charles blieb „außerhalb“, um Unterhalt für die ganze Familie zu verdienen.
Mit Zwölf. Neun Leute versorgen. Joah.
Er arbeitete mit anderen Kindern in einer Lagerhalle, was ihn mitunter zu Teilen in „David Copperfield“ inspirierte. Logischerweise konnte er durch seine Arbeiten nicht mehr zu Schule gehen. Erst als sein Vater frühzeitig entlassen wurde, konnte er 1826 wieder die Schule besuchen. Bereits 1827 wurde er als Schreiber eines Rechtsanwalts angestellt, was für ihn die Möglichkeit war, Menschen zu beobachten und literarische Studien im Britischen Museum zu betreiben.
1830 lernte er die junge Maria kennen, welcher er sogar einen Heiratsantrag machte. Nachdem ihre Eltern Dickens aber absolut nicht gut fanden, schickten sie ihre Tochter schlichtweg auf eine französische Mädchenschule, um jeglichen Kontakt zunichte zu machen. Das blieb auch so, sodass er 1836 Catherine Hogarth heiratet und ganze zehn Kinder hatte mit ihr 😀 Naja, 1857 lernte er noch eine Schauspielerin kennen, Ellen Ternan, mit der er bis zu seinem Tod beisammen war.
Was mit seiner Frau und den Kindern war?
Ein Jahr nach dem Kennenlernen von Ellen trennte er sich von Catherine – eine Scheidung war damals formal undenkbar. Während sie mit einem der Kinder in ein Haus zog, nahm Charles selbst die übrigen Kinder und ließ sich unterstützen von seiner Schwägerin Georgina Hogarth, die bis zu seinem Tod auch bei ihm blieb. Spannend…irgendwie 😀
ꜰᴜɴ ꜰᴀᴄᴛ:
Wusstet ihr, dass er auch ein Pseudonym namens „Boz“ hatte? Der Name hatte einen wie ich finde goldigen und witzigen Hintergrund. Sein kleiner Bruder Augustus wurde auch Moses genannt, was er als „Boses“ ausgesprochen hatte, was über die Zeit zu „Boz“ wurde 😀
Kennt ihr Geschichten von Dickens?
Seine wohl bekanntesten Werke:
- Oliver Twist
- Eine Weihnachtsgeschichte
- David Copperfield
- Große Erwartungen
(auch bei uns bekannt unter dem Originaltitel „Great Expectations“)
Es war die beste Zeit, es war die schlimmste Zeit.
Charles Dickens
Es war die Zeit der Weisheit, es war die Zeit der Dummheit.
Es war eine Zeit des Glaubens, es war eine Zeit der Ungläubigkeit.
Es war eine Zeit der Erleuchtung, es war eine Zeit der Dunkelheit.
Es war der Frühling der Hoffnung, es war der Winter der Hoffnungslosigkeit.
Wie kam Charles Dickens zum Schreiben?
1831 begann er als Journalist für Zeitungen zu arbeiten und 1836/37 erschien monatlich seine erste Geschichte „Pickwick Papers“ als Fortsetzungsroman in der Zeitung, mit dem seine schriftstellerische Karriere richtig begann. Auch seine ersten Romane erschienen – wie damals häufig – in Fortsetzungsgeschichten in Zeitungen. Ihm war es wichtig – neben dem Erfolg als Schriftsteller – soziale Probleme darzustellen und zum Nachdenken anzuregen.
Interessanter Fakt:
An der Westküste der Antarktischen Halbinsel gibt es zwei Felsen, die „Dickens Rocks“ und weitere Felsen in der Umgebung tragen Figurennamen aus den „Pickwick Papers“.
1838 erschien dann sein bis heute sehr bekanntest Werk „Oliver Twist“. Er wurde selbst zum Herausgeber einer großen (liberalen) Tageszeitung und einer Zeitschrift. Zu diesen Zeiten war Dickens bereits in nordamerikanischen Ländern ebenfalls bekannt und erfolgreich.
Kurz darauf ging er quasi auf Lesereise in die USA – und jetzt kommt was ziemlich Faszinierendes:
Nachdem viele Zeitungen seine Werke einfach abgedruckt hatten, schlug er die Idee eines „internationalen Urheberrechts“ vor und rief damit mehr als nur eine Welle großer Entrüstung hervor 😀
1843 erschien dann „Eine Weihnachtsgeschichte“, die fantastisch angehaucht moralisch auf die Leute wirken sollte. Seine erste Lesung in England hielt er erst 1852 – und zwar vor Industriemitarbeitern.
Ist das nicht irgendwie spannend?
In den Jahren danach reiste er mal nach Italien, mal nach Frankreich. Hier kam es 1865 bei seinem Rückweg zu einem unfassbar schweren Zugunglück, das er zwar überlebte – sogar ohne Verletzungen -, seitdem aber sehr traumatisiert war. Das hat er bspw. versucht in seiner (Grusel-)Geschichte „Der Bahnwärter“ zu verarbeiten.
Im Sommer 1870 war es dann soweit, dass er nach einem zweiten Schlaganfall verstarb – beerdigt wurde er in der Westminster Abbey, gegen seine Wünsche. Ich weiß nicht recht, ob für jemanden, der ohne großen Aufwand beigesetzt werden wollte, es ein „Trost“ ist, mittlerweile zu einem der meistgelesenen Autoren der englischsprachigen Literatur zu gehören.
ꜰᴜɴ ꜰᴀᴄᴛ:
Die absurd-skurrilen Namen seiner Charaktere sind so bekannt, dass sie mit der Zeit in die Alltagssprache übergingen. Bspw. Ebenezer Scrooge aus „Eine Weihnachtsgeschichte“ wurde im Sprachgebrauch als „a scrooge“ genutzt für sehr geizige Leute.
Wisst ihr wie Dagobert Duck im Englischen heißt? Scrooge McDuck.

