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„Rosen & Kristalle“ – Rezension

„Rosen & Kristalle“ von C.R. Scott

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„Rosen & Kristalle“ von C.R. Scott

Wer mich bereits länger kennt, weiß: Ich LIEBE Märchenadaptionen. Egal wie. Egal was. Hauptsache Märchen. Und wer dem Blog hier für längere Zeit folgen wird, wird diese Märchenliebe auch noch bemerken.

„Rosen & Kristalle“ klang wie ein wahr gewordener Traum, nach einer coolen Mischung aus Magie, Hexen und dem Märchen von Dornröschen. Ich musste es haben, und hab es sogar direkt gelesen. Ob und wie mich das Buch begeistert habt, könnt ihr im Folgenden lesen.
Die ausführliche Rezension findet ihr gleich im Anschluss und für die schnellen LeserInnen ist ein zusammengefasstes Fazit am Beitragsende zu finden.

Wie oben bereits erwähnt, ist „Rosen & Kristalle“ von C.R. Scott eine Märchenadaption von Dornröschen und mit dem Band auch in sich abgeschlossen. Von Märchen kann ich an sich nie genug Lesestoff bekommen, aber Einzelbände mag ich dann doch auch sehr gerne, vor allem für zwischendurch.

In der Geschichte geht es um unsere Protagonistin Lina, welche die zweitgeborene Rosenprinzessin und eine von zwei Hexen des Rosenreiches ist. Ihre große Schwester Maro ist die rechtmäßige Thronfolgerin und die zweite Hexe des Reiches. Im Rosenreich gab es in der Königsfamilie immer Hexen, aber nur in weiblicher Linie. Nach dem Tod von Linas und Maros Mutter gibt es also nur noch die beiden mit Magie im Blut. Lina liebt ihre Schwester Maro abgöttisch und das, obwohl sie seit jeher nur in ihrem Schatten steht, von ihrem Vater und auch vom Rest des Reiches nicht wahrgenommen wird und nur als „Ersatz“ für ihre Schwester gilt. Demnach darf sie das Schloß nicht verlassen, eine Aufgabe hat sie aber auch nicht. Lina fühlt sich eingesperrt und unsichtbar, lediglich kleine Hexenspielereien mit ihrem besten Freund, einem Zauberer, bieten ihr etwas Abwechslung. Zudem lernen wir als männlichen Protagonisten Prinz David aus dem Kristallreich kennen – Alleinerbe mit besonders ausgeprägten Sinnen. Er hätte schon lang den Thron besteigen sollen und können, allerdings braucht er dazu eine Gemahlin, und da er an die wahre Liebe glaubt, diskutiert er Tag für Tag mit seinen Eltern, ihm mehr Zeit zu geben. Bei einem großen familiären Anlass des Rosenreiches wird auch die Königsfamilie des Kristallreiches eingeladen. Die beiden Herrscher hegen eigentlich die Hoffnung auf eine Vereinigung beider Reiche, doch dann entwickeln sich starke Gefühle zwischen David und Lina. David spürt und versteht die Verzweiflung und den Drang nach Freiheit in Lina. Doch das Schicksal hält anderes parat für die beiden, und als Lina vor die Entscheidung der Herrscher gestellt wird, dass David Maro heiraten soll, ist das der letzte Tropfen in ihrem Gefühlsfass und die dunklen Gefühle von Linas Herz laufen über…

Zum Inhalt:

Das Buch beginnt mit einem Ausschnitt vom Finale, und ich muss sagen: Holla die Waldfee. Ich habe die erste Seite gelesen, ursprünglich nur, um einen kurzen Einblick in den Stil zu bekommen, und konnte es dann nicht mehr weglegen! Solch einen spannenden Einstieg hat man selten. Er ist gut ausgewählt, denn trotz dem Wissen, dass es sich um eine finale Szene handeln wird, will man unbedingt weiterlesen, um zu erfahren, was passieren und vor allem, wie es dazu kommen wird. Direkt nach dem Ausschnitt beginnt der eigentliche Einstieg in die Geschichte. Wir lernen Prinz David und sein Umfeld, Lina und ihre Familie kennen, und ich persönlich mochte beide auf Anhieb sehr. Den Einblick in den schrecklichen Showdown zu bekommen und kurz darauf das extreme Gegenteil von Lina zu erleben, war beeindruckend und konnte mich absolut fesseln. Die Handlung spielt über einen längeren Zeitraum, der für mich dem Verlauf und dem Setting aber angemessen ist. Da wir uns in einem weiten Land mit mehreren Königreichen befinden, ist es für mich gut nachvollziehbar, dass sich verliebte Charaktere und gute Freunde nicht einmal schnell am Nachmittag oder jeden Tag treffen können, sondern gewisse Zeitabstände dazwischen liegen. Die Geschichte verläuft bis zum zweiten Drittel tatsächlich sehr ruhig, man begleitet vor allem Lina und David durch ihren Alltag, durch ihre Gedanken. Die Liebesgeschichte der beiden ist unwahrscheinlich zart und demnach überhaupt nicht kitschig. Kurz nach Beenden des Buches war ich fast enttäuscht, wie zart und unaufgeregt die Beziehung war, mittlerweile finde ich sie aber überaus passend, vor allem wenn wir unter anderem wieder an Dornröschen und an Märchen im Allgemeinen denken. Der Showdown war grandios. Ich hatte von Gänsehaut bis Schnappatmung und Tränen alles dabei. Mein einziges Leiden dabei war, dass mir das ganze Finale viel zu schnell ging – da hätte man für mich noch einiges mehr rausholen können. Schön war auch der Epilog der Geschichte, der dann doch noch einmal etwas die Nerven besänftigt hat.

Zu den Charakteren:

Lina als Protagonistin war sehr intensiv. Man bekommt vor allem anfangs durch die ruhige Geschichte einen sehr guten Einblick in ihr Gefühlsleben. Sie ist nur die Zweitgeborene und wird im Prinzip seit ihrer Geburt, bei der ihre Mutter verstorben ist, von jedem außer ihrer Schwester Maro und ihrem besten Freund Bel ignoriert oder gemieden. In Lina herrscht unter anderem ein Bedürfnis nach Mutterliebe bzw. eine tiefe Trauer um ihre fehlende Mutter. Als Ersatz für Maro gelten für sie die gleichen Lebenseinschränkungen: Lina hat noch nie das Schloss von außen gesehen, und das obwohl sie so gerne mehr von der Welt sehen möchte. Trotz allem ist Lina eine neugierige und vor allem abenteuerliche junge Frau, was man definitiv erkennt. Ich mochte ihre realistische Gefühlsvielfalt! Sie liebt ihre Schwester abgöttisch, und trotzdem beneidet sie sie für ihre Aufgabe als zukünftige Königin und die Aufmerksamkeit, die sie von ihrem Vater bekommt. Sie ist zwar eingesperrt, bewahrt sich aber trotzdem ein Maß an Abenteuerlustigkeit. Sie ist eine mächtige Hexenprinzessin, die natürlich einfach fliehen könnte, trotzdem liebt sie ihre Familie und ihre Schwester so, dass sie diese nicht im Stich lassen möchte. Ihre Entwicklung hat mich am meisten beeindruckt in dem Buch, und durch ihre intensiven Gedankengänge und detaillierten Gefühlsregungen nehme ich ihr auch so gut wie alles ab. Ich bin schwer beeindruckt, weil man selten solch intensive Charaktere erleben darf, vor allem nicht in kurzen Einzelbänden.
Maro als Schwester konnte ich nachfühlen, doch manchmal war sie mir etwas zu schwarz-weiß. Maro fand ich angenehm, vor allem wegen ihrer Liebe zu Lina. Allerdings fand ich Maros Entscheidungen zwischendurch herzzerreißend, fast schon eiskalt. Aber auch ihre Beweggründe sind grundsätzlich nachvollziehbar, und zum Ende hin macht auch sie noch einmal eine Entwicklung.
David war mir als männlicher Protagonist und Prinz durchaus sympathisch. Er hat seine Ideale, hinter denen er auch voll und ganz steht, und von welchen er sich nicht abbringen lässt. Es ist nett zu sehen, dass er sich durch Linas Art komplett aus dem Konzept bringen lässt, was ihn menschlich und vor allem auch jugendlicher wirken lässt. Seine Neugier und seine Gefühle gegenüber Lina fand ich aufrichtig und süß. Zwischendurch hätte ich ihm zwar auch am liebsten einmal eine über den Kopf gezogen für sein sprichwörtliches Brett vor dem Kopf, aber er sieht seine Fehler recht schnell ein und gibt sein Bestes. Das ist mir absolut positiv im Kopf geblieben.
Die Familien der beiden…da fehlen mir fast die Worte. Sie sind königlich und haben natürlich viel Verantwortung, umso mehr in einem geteilten Land wie ihrem. Allerdings fand ich die Herangehensweise schon manchmal zu grausam und ignorant, besonders als sich die Lage mit Lina zuspitzt. Allerdings lassen sich auch da gewisse Entwicklungen erkennen – in welche Richtung, müsst ihr allerdings selbst lesen.

Zur Optik/Haptik:

Sowohl optisch als auch haptisch sind die Impress-Titel nicht unbedingt meine Favoriten. Das Cover an sich ist farblich zwar okay, aber mein Fall ist es nicht. Es ist nett durchdacht mit der Abbildung des Gesichts, da Lina als sehr sommersprossig beschrieben wird und es eine Szene mit zugehaltenen Augen gibt. Ich bin grundsätzlich kein Fan von realen Gesichtern und Menschen auf Covern, das ist aber reine Geschmackssache. „Rosen & Kristalle“ ist wie andere Impress-Titel auch in einem größeren Taschenbuchformat gehalten, was es für mich etwas anstrengend beim Lesen gemacht hat, weil es durch die Größe schwer, aber wesentlich instabiler als ein Hardcover war

Fazit

„Rosen & Kristalle“ hatte durchaus seine Schwächen, aber mir persönlich hat die Idee dahinter und auch der Verlauf der Geschichte gut gefallen. Ich hätte mir gerne ein längeres Finale und ein minimal anderes Ende gewünscht. Ich mag Einzelbände wirklich gerne, in diesem Falle hätte ich mich aber über mehr Seiten oder einen zweiten Band durchaus gefreut. Die Mischung aus Hexerei, menschlichen Abgründen und Märchenadaption konnte mich trotz den kleinen Defiziten von sich überzeugen. Deshalb von mir gut gemeinte

☁ ☁ ☁ ☁ von 5 Wölkchen

**Das Herz einer Hexe ist unergründlich**
Die zweitgeborene Rosenprinzessin Lina steht seit jeher im Schatten ihrer Schwester. Obwohl auch sie über magische Kräfte verfügt, bestimmen andere über ihr Leben. Allein David, der ansehnliche Kronprinz aus dem Kristallreich, schätzt ihren Wunsch nach Unabhängigkeit. Schnell knüpft sich zwischen den beiden ein besonderes Band. Doch nun soll er ihre ältere Schwester heiraten, um den Frieden zwischen den Reichen zu wahren. In Lina entbrennt eine unbändige Wut, die ihr Herz mit schwarzer Magie erfüllt und alles zu verschlingen droht …

Einst versprach sie ihm ihr Herz. Jetzt verlangt das Schicksal von ihm, es sich zu holen.
Packende Romantasy-Märchenadaption von »Dornröschen« über die wahre Liebe und die Grenze zwischen Gut und Böse.

(Quelle: www.carlsen.de)

  • Titel: „Rosen & Kristalle“
  • Autorin: C.R. Scott
  • Softcover
  • ca. 390 Seiten
  • ab 14 Jahre
  • ISBN: 978-3-551-30348-6

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