Nacht des Begehrens von Kresley Cole
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Sexy Romantasy mit Suchtfaktor – Reihenauftakt der Immortals After Dark-Reihe von Kresley Cole

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Kresley Cole konnte mich erstmals 2014 mit dem Auftakt der „Poison Princess“-Reihe beeindrucken und mit den weiteren Bänden absolut fesseln. Mehrfach habe ich die Bände gelesen und die Reihe auf Englisch fortgesetzt, als sie im Deutschen nach dem dritten Band nicht weiter übersetzt wurde.

Ich habe Kresley sehr lange online verfolgt, nachdem der finale Band der Reihe im Englischen immer wieder verschoben wurde. Ich wusste seit langem, dass Kresley Cole abgesehen von Poison Princess sehr viele Bücher im Fantasy-Bereich veröffentlicht hatte, von denen auch genug übersetzt wurden. Allerdings haben mich Reihen mit übermäßig vielen Bänden schon immer abgeschreckt, weshalb ich mir andere Bücher von ihr mit Absicht nicht angesehen habe.

Logischerweise hatte meine intensive Überwachung jeglicher Hinweise von der Autorin auch zur Folge, dass ich ziemlich viel Werbung, Zitate und Rezensionen von ihren anderen Büchern sehe. Vor kurzem habe ich dann „blöderweise“ ein Fanart zu einem ihrer Charaktere gesehen, das mich umgehauen hat, woraufhin ich direkt mal gesucht habe, zu was für einem Buch denn das Bild gehört. Der Klappentext war dann mein Untergang – ich musste es unbedingt lesen. Doch natürlich war diese Geschichte Teil einer langen Reihe und natürlich war es einer der mittigen Bände.

Tja, das Ende der Geschichte seht ihr mit dieser Rezension, denn natürlich musste ich mir damit die ersten Bände von Kresleys „Immortals After Dark“-Reihe besorgen und direkt beginnen. Und Band eins hat definitiv gezeigt, dass diese Serie definitiv Suchtfaktor besitzt.

Kresley Cole Nacht des Begehrens

Auf den Spuren ihrer verstorbenen Eltern reist die junge Halbvampirin Emmaline durch Europa. In Paris begegnet ihr der gut aussehende, wenn auch reichlich ungehobelte Lachlain MacRieve, der Anführer des schottischen Klans der Lykae. Nach hunderten Jahren der Einsamkeit ist Lachlain fest davon überzeugt, dass Emmaline seine Seelengefährtin ist, obwohl er Vampire eigentlich zutiefst verabscheut. Er entführt sie auf seine Burg in Schottland, um sie zu seiner Geliebten zu machen. Emmaline fühlt sich von Lachlains ungezähmter Leidenschaft abgestoßen und verfällt doch mehr und mehr seiner dunklen Verführungskunst …

(Quelle: Bastei Lübbe – LYX Verlag)

  • Titel: „Nacht des Begehrens“
  • Originaltitel: „A Hunger Like No Other“
  • Autorin: Kresley Cole
  • Übersetzung: Bettina Oder
  • Verlag: LYX Verlag
  • Umfang: 444 Seiten
  • Reihe: Band 1
  • ISBN Taschenbuch: 978-3-8025-8174-8
  • ET Taschenbuch: 16.09.08
  • ISBN eBook: 978-3-8025-8802-0
  • ET eBook: 08.12.11

Was ist, wenn deine vorherbestimmte Liebe von Natur aus dein ärgster Feind wäre?

Dieser Frage muss nach Jahrzehntelanger Gefangenschaft und Folter der ursprüngliche Lykae-König Lachlain gegenüber stehen. Schwer missbraucht, gequält und nur von seinem Hass auf die Vampirbrut und den Gedanken an Rache bei geistiger Klarheit gehalten, kann er sich endlich befreien, als er in der Stadt über sich den Duft seiner Seelengefährtin bemerkt. Seine letzten Kraftreserven nutzt er dafür, um sich zu retten und für die Hoffnung, endlich die Eine für sich finden zu können, nur um dann festzustellen, dass sie genau der Rasse angehört, die ihm das alles angetan haben.

„Sein Dasein besteht einzig und allein darin, wieder und wieder in den Flammen umzukommen, nur um durch seine Unsterblichkeit stets aufs Neue ins Leben zurückgerufen zu werden.“

Zitat aus dem Prolog – S. 7

Währenddessen ist Emmaline Troy, eine junge Halbvampirin, in Paris unterwegs, um endlich mehr über ihre verstorbenen Eltern und allen voran ihren unbekannten Vampirvater herauszufinden. Denn wer die Vampire kennt, kann sich kaum vorstellen, wie dabei eine große Liebe entstehen kann, geschweige denn ein Kind daraus geboren wird. Doch nichts hätte sie auf ihrer Reise weniger erwartet, als einen wütenden und schwer verletzten Lykae, der sie verfolgt, überwältigt und letztendlich entführt. Emmaline kämpft verzweifelt um ihr Überleben, da sie den Hass in Lachlains Augen deutlich erkennen kann. Ihr erstes Aufeinandertreffen ist eine Mischung aus Kampf ums Überleben und dem Kampf von Lachlains Instinkten seine Gefährtin zu brauchen und seinen bittersten Feind zu töten.

„Er hatte ein ganzes Millennium lang auf einen hilflosen Parasiten gewartet.“

Zitat aus Kapitel 1 – S. 29

Während die beiden in einem Strudel aus Hass und Wut, Verzweiflung und Verlangen, natürlicher Feindschaft und vorherbestimmter Seelenverwandtschaft versuchen einen Überblick zu behalten, geschehen in der Welt der mystischen Gestalten weit größere Dinge. Nach vielen Jahrhunderten kommt es nämlich erneut zum großen Krieg zwischen allen übernatürlichen Fraktionen, bei dem entschieden wird, welche Rasse in den nächsten Jahrhunderten an der Spitze aller stehen wird. Und Emmaline spielt eine weit wichtigere Rolle, als alle dachten.

Für mich hat sich die ganze Geschichte zu weit mehr entwickelt, als ich zu Beginn dachte und mir erhofft hatte. Was ich definitiv nicht abstreiten kann, ist, dass das Cover an die klischeehaften erotischen Nackenbeißer-Romane erinnert und zum Teil auch im Inhalt widergespiegelt wird. Erotisch wird es sowas von und vor allem zu Beginn kommen auch klischeehafte Männerdominanz und „Verlangen wider Willen“ vor, doch ich war sehr überrascht und sehr dankbar dafür, dass sich das Verhalten und die Gedanken von Lachlain ziemlich schnell geändert haben.

Dazu kommt, dass Emmaline sich auch nichts gefallen lässt. Die Geschichte der beiden, aber auch mit dem enormen Weltenaufbau und der Geschichte mit den Rassenkriegen und so weiter war fesselnd und mitreißend. Ich bin ja eigentlich kein großer Fan von übermäßig langen Buchreihen und auch von keinen Buchreihen, bei denen die Protagonisten wechseln. Aber hier habe ich eine Ausnahme entdeckt, denn ich bin dem Suchtfaktor sofort verfallen und würde am liebsten von einem Großteil der vorkommenden Charaktere eine eigene Geschichte lesen.

Charaktere und ihre Entwicklung

Emmaline Troy ist die weibliche Protagonistin, die mich über alle Maßen überrascht und mit ihrer Entwicklung beeindruckt hat. Emma ist eine junge Frau, halb Vampir und halb Walküre. Zu Beginn ist sie im Verhältnis zu anderen übernatürlichen Wesen aufgrund ihres Mischwesens eher schwach, und deshalb auch vom Charakter her überlebensbedingt eher schüchtern, zurückhaltend, bedeckt und unterwürfig. Zudem muss sie sich als letzter weiblicher (lebender) Vampir vor zu viel Aufmerksamkeit hüten, denn in den letzten Jahrhunderten haben die Vampire alle weiblichen Vampirwesen getötet, um ihre Macht zu stabilisieren.

Emmas Verhalten und ihre Einstellung ändern sich aber sowohl mit der Zeit nach dem Aufeinandertreffen mit Lachlain, aber auch nach den weiteren Geschehnissen der Mythenwelt, in die sie immer wieder hineingezogen wird. Sie entwickelt Charakterstärke, steht für sich selbst ein und findet sich mit ihren Kräften auch stetig mehr zurecht. Optisch ist sie eine feenhafte, blasse, blonde Frau mit blauen Augen und leicht zugespitzten Ohren, wodurch sie sowohl äußere Merkmale der Vampire als auch der Walküren hat.

Lachlain, König der Lykae, ist unser männlicher Gegenpart. Er ist optisch das ziemliche Gegenteil von Emmaline und entspricht der Vorstellung eines Wolfsmenschen: Groß, stämmig, dunkle Haare und vom Auftreten sehr maskulin. Während er zu Beginn ein triebgesteuerter, instinktgeleiteter, chauvinistischer Typ ist, der versucht, Emmaline seine Meinung aufzudrücken und von seiner Gefährtin als „Besitz“ denkt, so ändert sich das recht schnell.

„Dein Pech. Jetzt löse deine Zöpfe. Du trägst dein Haar ab sofort offen.“

Zitat aus Kapitel 2 – S. 42

Durch seine Jahrzehntelange Gefangenschaft kämpft er mit der Modernisierung und der gesellschaftlichen Veränderung, aber er ist neugierig und auch offen dafür. Er erkennt Emma nicht nur mit der Zeit als Gefährtin an, sondern auch als Frau, Individuum und genauso starkes übernatürliches Wesen, wie er selbst. Er lernt und ändert sein Verhalten, worüber ich mehr als nur glücklich bin. Lachlain ist ein Mann, der trotz seiner tiefsitzenden Instinkte zuhört, respektiert und herzensgut. Er beschützt seine Liebsten und sein Land mit seinem Leben.

„Scheiß auf einfach. Es hat dich zu der Person gemacht, die du bist, und ich würde nicht die kleinste Kleinigkeit an dir ändern wollen.“

Zitat aus Kapitel 27 – S. 325

Sein Haar war voll und glatt – ein sattes, dunkles Braun, das in der Sonne vermutllich golden leuchten würde.

Eine meiner liebsten Charaktere, die hier vorerst nur als Nebencharakter auftritt, ist die Walküre Regin. Regin ist eine von Emmas Tanten und Teil von ihrem Koven. Sie ist mit Abstand diejenige, die am kindischsten und aufgewecktesten ist. Ihre Auftritte waren meist ziemlich amüsant und konnten mich oft zum Lachen bringen. Ich hoffe doch sehr, dass in der langen Reihe ein Band zu Regin dabei sein wird.

„Wer zum Teufel hatte denn bloß den „Crazy Frog“-Klingelton auf ihr Handy runtergeladen? […] Tante Regin. Die unreifste Unsterbliche auf der ganzen Welt, die aussah wie eine Sirene und sich aufführte wie ein alberner Teenager.“

Zitat aus Kapitel 1 – S. 17

Schreibstil

Erotische Fantasy mit allem Drum und Dran bedeutet oft: lahmer oder schlechter Schreibstil. Nope. Kresley Cole kann auch in ihren älteren Werken bereits gut schreiben, was mir ja bereits bei „Poison Princess“ gut gefallen hat. Er ist angenehm leicht, aber trotzdem detailliert – ohne überladen zu sein und mit unnötigen Details seitenweise zu langweilen – und vor allem sinnbeschreibend.

„Die Haare auf seinen Beinen kitzelten sie, und seine festen Lippen waren im Schlaf an ihren Nacken gedrückt. Sie spürte sogar, wie sein Herz ruhig und kräftig gegen ihren Rücken schlug.“

Zitat aus Kapitel 2 – S. 45

Auch wenn der erotische Faktor klar erkennbar vorhanden ist und vor allem zu Beginn den Fantasy-Anteil etwas überwiegt, so kommen mit dem tieferen Eintauchen in die Mythenwelt auch die actionreichen und brutaleren Beschreibung mehr ins Spiel, die für mich persönlich alles ausgewogen halten und abrunden.

„Der Hieb hatte ihre zarte Haut und das Fleisch darunter bis auf die Knochen zerfetzt. Er drückte sie an sich und stieß einen ohrenbetäubenden Schrei aus.“

Zitat aus Kapitel 16 – S. 199

Grundsätzlich bin ich eigentlich kein Fan von wechselnden Erzählerperspektiven, doch im Fantasy kommt man selten darum herum. Dennoch muss es gekonnt sein und mit der passenden Perspektive geschrieben sein. Kresley Cole hat sich im Endeffekt für einen allwissenden Erzähler entschieden, der sowohl Emmas als auch Lachlains Gedanken und Gefühle offenbart. Dazu haben wir zwischendurch immer mal wieder Kapitel, die kurz den Ort wechseln und von der Lage bei Emmas Koven erzählen, auch hier wieder ohne eine spezielle Charakterperspektive einzunehmen. Damit kam ich sehr gut aus, es passt zur Buchreihe und machte mich sehr neugierig auf andere Charaktere.

Sehr cool finde ich das beigefügte Glossar am Buchende, in dem noch einmal alle wichtigen Begriffe und Gattungen der Mythenwelt erläutert werden, teils mit Zitaten aus dem Buch bzw. „der alten Geschichte“. Großer Pluspunkt für mich.

Schade hingegen finde ich den doch arg abweichenden deutschen Titel zum englischen Originaltitel „A Hunger Like No Other“, der mit seiner Doppeldeutigkeit einfach viel besser zur Geschichte passt, ohne direkt an Schundromane denken zu lassen. „Ein Hunger wie kein anderer“ wäre für mich durchaus ansprechender gewesen als „Nacht des Begehrens“, vor allem in Kombination mit dem Klappentext. Immerhin steckt doch um einiges mehr als „Begehren“ hinter Kresley Coles Story.

Optik

Nun zur optischen Erscheinung. Ich glaube, jeder, der die Rezension bis hierher gelesen hat, hat bereits herausgehört, dass meiner Meinung nach das Cover allein schon „Nackenbeißer“ weit in die Welt hinausruft. Und jeder, der mich ein wenig in meiner literarischen Umgebung kennt, weiß, dass ich solche Cover einfach nur grausam finde. Ein nacktes Paar, das sich hintereinander gestellt umarmt, vor einem landschaftlichen Hintergrund. Dazu noch eine deutlich hervorgehobene Titelfarbe.

Da rollen sich mir üblicherweise die Zehennägel auf, vor allem weil dann der Geschichtenliebhaber und Detailnerd in mir ausrastet. Das Paar passt nicht zur Beschreibung von Emmaline und Lachlain, so gaaaar nicht. Lachlain könnte man mit zugekniffenen Augen noch durchgehen lassen, aber Emmaline?! Nein. Das dramatische „blutrot“ auf dem schwarz/dunkelblauen Hintergrund ist etwas übertrieben für mich, aber würde immerhin zu Emmalines Vampirhälfte passen. In den Buchinnenklappen befindet sich eine Illustration eines Schlosses im Mondschein, was nicht nur schön aussieht sondern auch hervorragend zum Setting passt.

Ich finde es vor allem in der Hinsicht schade, dass es im Englischen ganze drei Ausgaben des Covers gibt bzw. gab (Bilderquelle: Amazon), die alle um Welten besser zum Buch passen, als es das Deutsche Cover tut.

A Hunger Like No Other Kresley Cole Cover 1
A Hunger Like No Other Kresley Cole Cover 2
A Hunger Like No Other Kresley Cole Cover 3

Fairerweise muss ich eingestehen, dass vor allem in den 2000ern einfach solche Cover üblich und sehr häufig vertreten waren. Trotzdem fände ich es auch dabei schön, wenn man im Deutschen zumindest etwas mehr auf die Charaktere im Buch eingehen würde.

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