Wenn das Schicksal einen anderen Weg vorhersieht… – „My Reason to Die“ von YUJU
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Rezensionsexemplar
Dieser Manhwa ist mir tatsächlich vor allem wegen dem Titel zuerst ins Auge gestochen. Das Cover hat dann sein übriges getan und es schien mir wie die perfekte Abwechslung zu den Fantasy- und Romance-Titeln zu der Zeit. Aber ich muss gestehen, dass mich der Inhalt doch etwas überrascht hat. Inwiefern und warum, könnt ihr jetzt nachlesen 😉
Allgemeine Informationen

Titel: „My Reason to Die“
Autor/-in: YUJU
Übersetzer/-in: Alexandra Dickmann
Verlag: Manhwa Cult
Erscheinungstermin: August 2025
Umfang Print: ca. 320 Seiten
ISBN Print: 978-3-98949-088-8
Genre: Mystery, Romance
Reihe: 7 Bände
Altersempfehlung: ab 16 Jahre+
Klappentext
Die Oberschülerin Ji-oh ist der aufstrebende Star am Taekwondo-Himmel. Mit eiserner Disziplin widmet sie sich ihrem Training, um eines Tages gegen die weltbesten Kampfsportlerinnen bei den Olympischen Spielen anzutreten. In Kürze steht ein bedeutender Wettkampf bevor, der sie ihrem Ziel einen großen Schritt näherbringen soll. Doch Ji-ohs Hoffnung wird jäh zerschmettert, als sie in einen Unfall verwickelt wird – und sich das Bein bricht. Während die ambitionierte Sportlerin mit ihrem Schicksal ringt, tritt der geheimnisvolle Gyeol in ihr Leben. Und trotz seines rebellischen Auftretens fühlt sie augenblicklich eine unerklärlich starke Verbindung zu ihm …
(Quelle: Cross Cult – Manhwa Cult)
STORY
„My Reason to Die“ beginnt mit der aussichtsreichen Hoffnung auf eine sportliche Zukunft von Ji-oh. Doch die glorreiche Zukunft wird durch ein emotionales Aufeinandertreffen durcheinander gebracht – und das in zweierlei Hinsicht. Denn die erste Szene stellt sich als Traum dar, aus dem sie kurz nach dem Aufeinandertreffen erwacht. Und in der Realität sieht sie sich in einer Ausnahmesituation, da sie durch einen tragischen Unfall verletzt wurde. Ji-oh ist eigentlich eine leidenschaftliche Taekwondo-Kämpferin, die Großes erreichen will. Aber der Unfall war nicht nur ein Wendepunkt für ihren sportlichen Weg, sondern auch einer für Inneres: Wer bin ich, wenn mein Körper nicht mehr mitspielt und die erdachte Zukunft außer Reichweite ist? Was mache ich, wenn plötzlich andere Themen in den Vordergrund treten? In dieser Verletzung, die für manche wohl ein Ende darstellt, liegt für Ji-oh gleichzeitig der Beginn einer anderen Reise.
Ji-oh hat durch die Verletzung einen etwas anderen Alltag als bisher und trifft dadurch auf Gyeol und eben diese Begegnung stößt erneut etwas in Ji-oh an. Gyeol erregt ihre Aufmerksamkeit und bringt andere Seiten in ihr hervor. Gyeol ist außerhalb von Ji-ohs Sportblase doch ziemlich bekannt, aber nicht unbedingt nur für sein gutes Aussehen, sondern eher wegen seiner rebellischen, fast schon düsteren Art und seinem schlechten Umgang. Doch auf Ji-oh wirkt er nicht negativ, sondern eher wie etwas Positives, wie ein fehlender bzw. unentdeckter Teil in ihr.
Das Setting bleibt mysteriös – genauso wie Gyeol als Charakter und der weitere Verlauf der Geschichte. Die ganze Zeit bleibt auch die Frage, ob und inwiefern der Traum zu Beginn eine Rolle spielt. Ist er eine Vorhersage? Ein früheres Leben? Oder einfach eine Darstellung an verschüttete Emotionen? Es stehen eher Gefühle wie Verletzlichkeit, Unsicherheit, Psyche und Erwartungen im Vordergrund. Genau das spiegelt auch die Grundstimmung des Manhwas wider. Nach jeder Seite ist man sich fast sicher, dass irgendetwas passieren muss. Statt süßer Romantik erwartet einen düstere Spannung, die mit jedem Umblättern steigt.
CHARAKTERE
Ji-oh
Ji-oh wirkt zu Beginn wie ein klassisches Ideal an Schülerin, die ehrgeizig, stark und sportlich ist. Doch der Unfall zeigt ihre Verwundbarkeit (nach innen und außen), und langsam wandelt sich ihr Fokus: nicht mehr nur Gewinnen um jeden Preis, sondern Sinnsuche, Identität, Verbindung. Diese langsame Wandlung macht Ji-oh zu einer glaubwürdigen Protagonistin, die durch die Ereignisse auch andere Seiten in sich entdeckt. Durch diese Entwicklung erfahren wir auch Stück für Stück mehr über ihre familiäre Situation.
Gyeol
Gyeol hingegen ist auf den ersten Blick das komplette Gegenteil von Ji-oh, und das nicht nur äußerlich. Er wirkt rebellisch, unnahbar, fast so als hätte er einige Geheimnisse. Als lesende Person fragt man sich nach jedem Auftritt von ihm, ob er jetzt „gut“ oder letztendlich doch „gefährlich“ ist und was eigentlich hinter ihm und seiner Art steckt. Diese Unsicherheit macht ihn spannend, während er die Lesenden (und die anderen Charaktere) misstrauisch macht, sieht Ji-oh vor allem etwas Anderes in ihm.
Die aufkeimende Beziehung (nicht direkt im romantischen Sinne) zwischen Gyeol und Ji-oh ist anders: Nicht sofort perfekt, nicht linear. Es gibt Rückschritte, Zweifel, komische Situationen, Annäherung und fast schon etwas wie ein Ruhepol zueinander. Allerdings könnte man auch in manchen Situationen durchaus davon sprechen, dass es „Tension“ gibt zwischen den beiden, auch wenn quasi keinerlei romantisch beabsichtigter Körperkontakt stattfindet. Man spürt deutlich, dass irgendetwas zwischen den Beiden entsteht.
Nebencharaktere
Die Nebenfiguren sind zumindest im ersten Band zwar vorhanden, aber handlungstechnisch noch recht im Hintergrund. Der Fokus liegt definitiv erst einmal auf den beiden Protagonisten. Aber eine wichtige Rolle spielen beispielsweise Ji-ohs kleiner Bruder oder auch ihr bester Freund. Gefühlt werden mindestens diese beiden Charaktere auch künftig noch Platz einnehmen in der Geschichte. Ich hoffe aber auch darauf, dass wir noch mehr über die Familien der beiden lernen.
Schreib- und Erzählstil
Die Geschichte nimmt sich Zeit und beginnt sehr langsam, baut Hintergründe und Charaktere auf. Manchmal wird mit Rückblenden gearbeitet, um Situationen besser zu verstehen, was mir persönlich gut gefallen hat. Ich mag es sehr, Details zu erfahren, darüber wie und warum Charaktere so handeln wie sie handeln. Es ist auch keine offensichtliche Romance-Story. Wir merken zwar, dass Ji-oh sich zu Gyeol hingezogen fühlt, er offensichtlich auch ihr gegenüber offener wird, aber ob und wann sich daraus tatsächlich Romantik oder Liebe entwickelt, kann man im ersten Band kaum sagen.
Ein Punkt, der für mich aber erwähnenswert ist: Es war auch verwirrend.
Durch den Traum und gewisse Andeutungen kann es einem schwer fallen, in die Geschichte hineinzufinden bzw. sich auf die Unklarheiten zu Beginn einzulassen. Ich persönlich werde den 2. Band noch ausprobieren, um zu Entscheiden, ob ich die Reihe weiterverfolge oder vorerst nicht. Das liegt bei mir nicht daran, dass ich den ersten Band schlecht fand – das nicht. Aber bei so vielen Neuerscheinungen und Übersetzungen lege ich mittlerweile einfach Wert darauf zu wissen, in welche Richtung eine Geschichte einzusortieren ist und wofür ich meine Lesezeit nutze.
Optik & Haptik
Stilistisch arbeitet YUJU eher mit Gefühlen und Ruhe: ruhige Panels, Blickführung, Stille – meist kombiniert mit eher gedeckterer, fast schon düsterer Farbgestaltung. Der Wechsel zwischen Alltag (Training, Genesung, Gesprächssituationen) und psychologischen Drama ist gelungen. Die Spannung wird von der ersten bis zur letzten Seite stetig aufgebaut und gehalten.
Die deutsche Ausgabe ist eine vollfarbige Großformat-Ausgabe im Softcover bzw. mit einfach kartoniertem Umschlag – wie üblich für Manga & Co. Das größere Format unterstützt die visuelle Wirkung. Die Erstauflage liefert übrigens ein besonderes Lesezeichen mit.
Mein Fazit
„My Reason to Die“ ist kein leichter Zeitvertreib und keine sanfte Liebesgeschichte. Es ist eine intensive, tiefgehende Reise in die Psyche einer jungen Frau, deren Leben auf den Kopf gestellt wurde. Man taucht ein in Schuldfragen, neue und alte Sehnsüchte, Schmerz (körperlich wie emotional) und Hoffnung. Wer bereit ist, sich auf ein Figurenduo einzulassen, das zwischen Nähe und Distanz schwankt, und Mystery klarer Romance vorzieht, der findet hier ein Werk, das nachhallt.
Wenn ich ein abschließendes Urteil geben müsste: Sehr empfehlenswert, vor allem für Lesende, die etwas Abwechslung lesen wollen. Allerdings mit dem Hinweis, dass der Einstieg etwas Durchhaltevermögen braucht bzw. sehr ruhig und ohne richtungsweisende Aussagen, aber dafür Spannung (düster wie romantisch) geboten ist.
⭐⭐⭐⭐
(4/5)
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