Mysteriöse Krankheiten, magische Mondsteine und Familiengeheimnisse – „Moonstone“ von Laura Purcell
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Rezensionsexemplar
„Moonstone“ von Laura Purcell ist 2025 im Festa Verlag erschienen und ein Vorstoß der Autorin in den Young Adult-Bereich. Sowohl das Cover als auch der Klappentext hatten direkt meine Aufmerksamkeit erregt, wenn auch zu guter Letzt die Autorin an sich der ausschlaggebende Punkt war, dass ich es unbedingt lesen wollte.
Allgemeine Informationen

Titel: „Moonstone“
Originaltitel: „Moonstone“
Autor/-in: Laura Purcell
Übersetzer/-in: Manfred Sanders
Verlag: Festa Verlag
Erscheinungstermin: Juli 2025
Umfang Print: ca. 380 Seiten
ISBN Print: 978-3-98676-217-9
Genre: (Dark) Fantasy, Gothic Fantasy, Dark Romantasy
Klappentext
Benimm dich anständig. Hüte dich vor dem Mond. Und verlass NIEMALS das Haus bei Nacht.
Camille wird zu ihrer Patentante und deren Tochter Lucy geschickt, die in einem kleinen Haus im Wald wohnen. Weit weg vom Komfort der Stadt muss sie sich nun den strengen Regeln ihrer Tante fügen.
Camille hat noch nie zuvor jemanden wie Lucy getroffen, ein blasses, kränkliches Mädchen, das von Sternen träumt, aber den Wald nie verlassen hat. Als sich die beiden anfreunden, häufen sich unheimliche Ereignisse: Mysteriöse Tode, Kratzspuren an den Türen und in den Nächten hallt das schreckliche Heulen einer unbekannten Kreatur durch den Wald.
Sollte Camille mehr Angst vor dem haben, was sich in der Dunkelheit verbirgt – oder vor sich selbst?
(Quelle: Festa Verlag)



STORY
„Moonstone“ ist ein düsteres, leicht romantisches Mystery-Abenteuer mit Gothic-Vibes, das vor allem in einer abgeschiedenen englischen Umgebung spielt. Die Handlung folgt der jungen Camille, die nach einem sozialen Eklat zu ihrer zurückgezogenen Patentante geschickt wird, und Lucy, einer geheimnisvollen jungen Frau, die dort ebenfalls lebt. Während Camille nach einem sehr behüteten Leben mit dem rauen Alltag in einer abgeschiedenen Waldbehausung kämpft, merkt sie, dass Lucy keine normale junge Frau ist. Lucy leidet unter einer schweren Krankheit, die Camille noch nie gesehen hat.
Allerdings erfahren wir gleich zu Beginn und durch Kapitel zwischendurch, dass definitiv etwas Setlsames passiert, denn Camille erzählt uns diese Geschichte selbst. Nun eigens schwer krank und in einer unbekannten Situation, scheinbar als Gefahr für ihre eigene Familie, zwischen Delirium und neuer Realität. Sie verändert sich. Aber wie genau oder warum, das wissen wir noch nicht.
Gift. Wie dieses Wort mir gefolgt ist, über das Moor, über die Klippen, durch die Buchen und das Farnkraut. Glaubt mir, ich weiß alles über Gift. Aber das hier ist kein Gift. Wäre es das, so wäre ich längst tot. Nein, meine Infektion ist etwas noch Schlimmeres: eine Pestilenz, für die es kein Gegengift gibt und kein Heilmittel – und die nicht einmal so gnädig ist, mich zu töten und mein Leiden zu beenden.
Zitat S. 70f.
„Moonstone“ von Laura Purcell
Zwischen Familiengeheimnissen, nächtlichen Heulgeräuschen, seltsamer Medizin und angeblich magischer Mondsteine baut Purcell sukzessive übernatürliche Elemente ein. Mit den eingestreuten Momenten der rückblickenden Camille entsteht eine fast durchgehend drückende Atmosphäre. Als Lesende/-r weiß man zwar, dass etwas passieren muss, aber wir wissen weder wann noch wie.
SETTING
Der YA-Roman spielt zeitlich etwas nach der Französischen Revolution, also vermutlich frühes 19. Jahrhundert. Wir haben eine Gesellschaft, die Normen über alles stellt und vor allem Frauen unter strenge Regeln setzen – Kleidung, Umgang, Verhalten. Ein „Ausrutscher“ (aka ganz normales jugendliches Verhalten wie ein kleiner Kuss auf einer Veranstaltung) kann zu einem stadtweiten Skandal und dem Ausschluss aus der Gesellschaft führen.
Natürlich würden neue Meilensteine auf mich warten: Heirat, ein eigenes Anwesen, vielleicht Kinder. Jede Station lag deutlich vor mir auf einer prosaischen, vorhersehbaren Straße, bis ich als Staub und Knochen bei meinen kleinen Geschwistern auf dem Friedhof ruhte.
Zitat S. 191
„Moonstone“ von Laura Purcell
Genau das passiert schließlich unserer Protagonistin, sodass nach kurzem luxuriösen Setting der Hauptort des Romans eine alte Jagdhütte – Felwood Lodge – in einem Wald ist, weit entfernt von jeglicher Zivilisation. Lediglich ein sehr kleines Dorf ist nach längerem Fußmarsch zu erreichen und sie leben vor allem als Selbstversorger.
Dieser Umstand sorgt für eine isolierende, fast schon bedrohliche Atmosphäre. Von komischen Tiergeräuschen über knarrendes Holz, pfeifender Wind und menschliche Einsamkeit ist alles wie bei einem idealen Gothic-Fantasyroman vorhanden. Eine kleine schöne Anspielung ist, dass dieses Setting genau dem in Camilles geliebten Romanen entspricht, nur dass es im eigenen Leben dann doch nicht so romantisiert und spannend wirkt wie beim Lesen.
Und was die Auslöser der Symptome anging – die Faktoren, wie Rowena sie nannte -, so wurden sie von Tag zu Tag befremdlicher. Kein Mondlicht, kein Fleisch, kein Graben, kein Zucker, kein Blut…
Zitat S. 247
„Moonstone“ von Laura Purcell
Der Wald spielt eine große Rolle, nicht nur durch Camilles Beobachtungen, sondern auch von der Relevanz her. Er scheint mysteriös, gefährlich und voller Geheimnisse, genauso wie die Menschen, bei denen Camille untergekommen ist. Es gibt keine Bediensteten, nur die vier Frauen: Rowena, Lucy, Camille und Bridget, was das Gefühl der Isolation sowohl für Camille als auch für den Lesenden selbst verstärkt.

CHARAKTERE
Die Figurenarbeit ist einer der Haupt-Punkte des Buches, der vor allem in den ruhigeren Phasen der Geschichte klar hervortritt und für mich den Großteil des Inhaltes ausgemacht hat
Camille Garnier
Camille ist unsere Protagonistin und das gleich in zweierlei Hinsicht. Einmal in der „späteren“ bzw. aktuellen Version, die uns erkrankt durch Erinnerungen und Rückblicke die eigentliche Geschichte erzählt und dann natürlich die handelnde Camille, deren Geschichte wir bis zum Ende verfolgen dürfen.
Die jugendliche Camille wächst sehr behütet in einer wohlhabenden, wenn auch nicht übermäßig reichen, Familie auf. Verliebt in den besten Freund ihres großen Bruders Mr. Randall, schlittert sie bei einer Abendveranstaltung in eine Situation, die für gesellschaftliche Aufregung sorgt. Als Bestrafung bzw. als Erziehungsmaßnahme wird sie von ihren Eltern zu ihrer Patentante gebracht, um dort für etwa ein Jahr „zur Ruhe zu kommen“. Man kann sich vorstellen, dass die bisher gut situierte Camille überfordert ist von diesem Umzug, denn mitten in einer Hütte im Nirgendwo gibt es keine Bediensteten, viel Arbeit und rauer Alltag.
Das hier war kein Benehmen für eine Dame. Eine Dame sollte keine Muskeln haben oder nach Sonnenuntergang herumstromern…
Zitat S. 34
„Moonstone“ von Laura Purcell
Sie ist ziemlich neugierig, sehr mitfühlend, aber nicht unbedingt naiv. Zwar mag sie manchmal etwas unbedarft wirken, v.a. durch ihr doch eher luxuriöses Leben, aber sie ist engagiert und durchaus schlau. Vorwürfe wie Tatenlosigkeit oder Faulheit lässt sie sich nicht gerne vorwerfen und greift zu, soweit sie kann. Was durchaus für den ein oder anderen witzigen Moment sorgt. Sie merkt, dass bei ihrer Tante und vor allem mit Lucy etwas Seltsames vorgeht und man sie absichtlich im Dunklen lässt. Statt ständig weiterzubohren schwenkt sie irgendwann um, selbst mal mehr mal weniger offensichtlich Nachforschungen anzustellen. Ich fand es einen spannenden und guten Charakterzug, dass Camille ihre eigenen Grenzen kennt und dann auch andere um Hilfe bittet.
Was für einen krassen Kontrast wir beide doch abgaben: ich, die in einem gemusterten Musselinkleid müßig vor dem Bücherregal stand, während Lucy arbeitete, gekleidet wie eine Dienerin. […] Aber trotzdem war da noch dieser Neid, dieses Brennen hinter meinen Rippen. Trotz all ihrer Probleme hatte ich das Gefühl, dass sie … besser war als ich. Statt mich über mein Glück zu freuen, sehnte ich mich danach, mehr so zu sein wie sie.
Zitat S. 89
„Moonstone“ von Laura Purcell
Ihre Gefühle gegenüber ihrer Patentante und vor allem Lucy sind sehr vielfältig. Eigentlich möchte sie sich mit Lucy anfreunden, versucht auch trotz häufiger Abweisungen immer optimistisch zu bleiben. Doch auch negative Gefühle wie Neid oder Eifersucht kommen hervor, denn worum sie Lucy vor allem beneidet ist ihre scheinbare Freiheit.
Bei Camille kann man definitiv sagen, dass sie sich im Vergleich zum Beginn definitiv weiterentwickelt.
Lucy
Sie war so seltsam, so völlig im Widerspruch zu allem, was man mich gelehrt hatte. Es war die Aufgabe einer Gastgeberin, dafür zu sorgen, dass ein Gast sich wohlfühlte, […]. Lucy schien es egal zu sein, ob ich gut von ihr dachte oder sie vollkommen verabscheute. Wie musste es sich anfühlen, eine solche Selbstsicherheit zu besitzen?
Zitat S. 87
„Moonstone“ von Laura Purcell
Lucy ist und bleibt ambivalent: Einerseits krank, fragile und andererseits stark, abweisend und mit dunklen Zügen. Mit ihren fast weißen Haaren sticht Lucy sowieso hervor, aber eine spürbare Wildheit macht sie erst recht spannend. Lucy ist etwa in Camilles Alter und so ist Camille eigentlich die erste Person außer ihrer Mutter und Bridget, die sie überhaupt kennenlernt. Manchmal blitzt zwar eine weiche Seite voller Sehnsüchte und Wünsche nach Nähe und Freiheit hervor, aber meist ist sie rau, hart und blockiert alle Näherungsversuche von Camille ab. Wenn sie krankheitstechnisch fit ist, dann ist sie meistens draußen, kümmert sich um Tiere und den Garten, wirkt stark und selbstbewusst.
Sie war der einsamste Mensch, den ich je gesehen hatte, und doch schien es da eine dunkle Stimme zu geben, die ihr sagte, dass es so am besten sei.
Zitat S. 160
„Moonstone“ von Laura Purcell
Es sind vor allem die kleinen Momente, die bei Lucy Entwicklung fördern. Man spürt, dass sie mit ihrer Krankheit kämpft und dem dazugehörigen Schicksal. Wenn man die Lebensbedingungen von Lucy herunterbricht, ist sie fast schon bemitleidenswert. Einsam, keine Freiheit, keine Entdeckungen über die Grundstücksgrenze hinaus und das Wissen, keine große Zukunft zu haben.
„Lucy?“
Zitat S. 97
Meine Stimme klang leicht schrill und machte aus dem Ausruf eine Frage, denn Lucy selbst wirkte seltsam abwesend. Hinter ihrem durchdringenden Blick war… niemand.
„Moonstone“ von Laura Purcell
Die Beziehung der Beiden wächst sehr langsam. Sie ist zögerlich und von Misstrauen geprägt, ein häufiges Hin und Her (vor allem durch Lucy bedingt). Das langsame Annähern und die sich abzeichnende Bindung geben der Story allerdings ihren emotionalen Kern und die Entwicklung hat mich durchaus überrascht!
Nebenfiguren
Mr. Randall
Mr. Randall ist eigentlich der beste Freund von Camilles älterem Bruder und mitunter der Grund, warum Camille von Zuhause weggeschickt wird. Zu dem Zeitpunkt hat er auch ein etwas schwieriges Verhältnis zu ihrem Bruder, was die Situation noch unangenehmer macht. Bei ihm weiß man länger nicht, was hinter seinem Charakter steckt und wie ernst es ihm mit Camille ist.
Rowena
Rowena ist Lucys Mutter und Camilles Patentante. Sie kannte Camilles Eltern schon lange, vor allem mit Camilles Mutter war sie bereits zu Jugendzeiten gut befreundet. Sie hat eine schwere Vergangenheit und vor allem der Hintergrund, warum sie isoliert in Felwood Lodge mit Lucy und Bridget lebt und kaum Kontakt zu Camille hatte, ist spannend sowie tragisch. Charakterlich ist sie ziemlich abwechslungsreich, je nach Situation und Umgebung, allerdings erklärt sich auch hierbei viel mit der Zeit.
Der Kummer hatte ihr Gesicht gebleicht. Vier tiefe Furchen zogen sich über ihr rechtes Auge und die Wange. War das die Verletzung, die Papa erwähnt hatte, verursacht von ihrem eigenen Ehemann? Was immer ihr widerfahren war, hatte sie halb blind gemacht; ihre Pupille bewegte sich trübe und milchig zwischen den Narben.
Zitat S. 28
„Moonstone“ von Laura Purcell
Bridget
Bridget ist ca. in Rowenas Alter und eine Art Leidensgenossin und Mitbewohnerin auf Felwood Lodge. Als Tochter eines Apothekers hat sie viel Ahnung von Kräuter- und Heilkunde und kümmert sich um die medizinische Versorgung von Lucy. Charakterlich ist sie eher streng und misstrauisch. Bis zu einem gewissen Punkt fand ich sie fast schon unsympathisch, aber mit kommenden Hintergrundinformationen über sie hat sich meine Sicht auf Bridget geändert.
Schreib- und Erzählstil
In dieser Nacht verlor der Wind seine Geduld, er war es leid, darauf zu warten, dass der Sommer sich endlich verzog. Ich lag wach auf meinem harten Bett und lauschte, wie er wütend um die Ecken des Jagdhauses fauchte. Efeu knisterte draußen an den Wänden. Zweige tappten mit Skelettfingern an das Fenster. Selbst wenn ich meinen Kopf unter dem Kissen vergrub, konnte ich den Sturm nur dämpfen, nicht zum Verstummen bringen.
Zitat S. 103
„Moonstone“ von Laura Purcell
Purcells Handschrift bleibt erkennbar atmosphärisch, bildstark und mit einem sicheren Gespür für langsam eskalierende Spannung. Die Autorin verdichtet Schauplätze und Stimmungen sehr effektiv: Nebel, knarrende Treppen, die Stille vor dem Heulen der Nacht. So schafft sie eine konstant unheimliche Grundstimmung. Das Erzähltempo ist an sich etwas ruhiger, bis auf die Unterbrechungen von der erzählenden Camille. Beachten sollte man, dass das meiste mehr gothic/mystery-like ist und kein Horror. Ich mochte ihren Stil sehr gerne und er passt auch gut zur Geschichte.
Der Wald war mir noch nie so perfekt erschienen. Die Sonne war ein lodernder Ball, der orange zwischen den silbernen Birken leuchtete und das Gras mit einem goldenen Schimmer übergoss. Ein Schwarm Schwalben flog über mich hinweg, auf dem Weg ins Winterquartier. Ich fühlte mich, als könnte ich mit ihnen fliegen.
Zitat S. 177
„Moonstone“ von Laura Purcell
Optik & Haptik
Cover und Klappentext setzen die Erwartung wirkungsvoll um (mondhafte, neblige Motive, zurückhaltende Farbpaletten). Ein direkt bedrucktes Hardcover mit passendem Farbschnitt – für mich ideal. Sowohl aus Haptik- als auch Umweltgründen bevorzuge ich mittlerweile Hardcover ohne extra Schutzumschlag. Kleine Kapitelzierden vervollständigen die leicht magische Optik.



Mein Fazit
„Moonstone“ ist ein stimmungsvolles, gut geschriebenes Gothic-Fantasy-Buch, das Purcells Stärke für Atmosphäre und psychologisches Unbehagen zeigt. Hier allerdings mit etwas jüngeren Personen im Vordergrund, also auch ideal für jüngere Interessierte. Wer klassische, langsame Gruselromantik mit einem Hauch Übernatürlichem und einer zarten, aber komplizierten Liebesgeschichte mag, findet hier viel Positives. Vielfältige Figuren, eine dichte Stimmung und schöner Schreibstil. Zwar ist die Handlung in manchen Bereichen sehr ruhig oder für manche vorhersehbar, mir hat das allerdings gut gefallen und das Ende hatte durchaus nochmal einen spannenden Twist. Insgesamt eine gelungene, lesenswerte Abwandlung von Purcells anderen Büchern, wenn auch für mich eine Kleinigkeit für ein absolutes Highlight gefehlt hat.
⭐⭐⭐⭐
(4/5)
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