Ein Beitragsheader für die Rezension zum 1. Band "Ibitsu" von Haruto Ryo
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Hast du eine kleine Schwester? – „Ibitsu“ von Haruto Ryo

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Rezensionsexemplar

Ibitsu“ konnte in der Vorschau bereits mein Interesse wecken, denn zwischen Liebesgeschichten und Alltagsdramen liebe ich es, mit einer guten Portion Gänsehaut etwas Abwechslung reinzubringen. Mit dieser zweibändigen Reihe hat Manga Cult eine gute Brücke zwischen klassischem Teenie-Slasher und Psycho-Horror nach Deutschland gebracht. Eine moderne Grusellegende wird zur bitteren Realität eines jungen Studenten.



Allgemeine Informationen

Titel: „Ibitsu“
Mangaka: Haruto Ryo
Übersetzer/-in: Burkhard Höfler
Verlag: Manga Cult
Erscheinungstermin: September 2025
Reihe: 2 Bände (abgeschlossen)
Umfang (Print Band 1): ca. 190 Seiten
ISBN (Print Band 1): 978-3-7573-0565-9
Preis (Print Band 1): 10,- € (Stand: März 2026)
Genre: Horror
Altersempfehlung vom Verlag: ab 16 Jahre+


Klappentext

Hast du schon von ihr gehört? Von der unheimlichen Legende des Mädchens im Lolita-Kleid, das um Mitternacht erscheint und Passanten eine verhängnisvolle Frage stellt? Beantwortest du sie, wird sie dich in ihr Netz aus Angst und Schrecken locken – und dir einen schrecklichen Tod bescheren …

Kazuki glaubt nicht an übernatürliche Phänomene. Doch als er eines Nachts auf ein mysteriöses Mädchen trifft, das mit einem unheilvollen Lächeln inmitten von Müllbergen sitzt, beschleicht den arglosen Studenten ein beklemmendes Gefühl. Zurecht – denn kurz nach dieser skurrilen Begegnung verwandelt sich sein eintöniger Alltag in einen wahren Albtraum. Immer wieder taucht jene düstere Präsenz vor ihm auf und dringt ohne Rücksicht in sein Leben ein. Immer tiefer zieht sie Kazuki in den finsteren Abgrund des Wahnsinns, aus dem es kein Entrinnen gibt …

(Quelle: Cross Cult – Manga Cult)



STORY & SETTING

Wie viele Horror-Geschichten fängt die Story damit an, dass der junge Protagonist Kazuki einem seltsamen Mädchen in einer dunklen Gasse begegnet. Sehr unangenehm und gruselig hockt sie im Lolita-Outfit und mit Teddybär sehr ramponiert und schmutzig mit zugenähten Wunden zwischen Müllsäcken unter einer Laterne. Während Kazuki sie versucht zu ignorieren, beginnt die Hauptgeschichte mit ihrer fatalen Frage:

„Hast du eine kleine Schwester?“

Zitat aus „Ibitsu“ Band 1
von Haruto Ryo

Anstatt sie weiter zu ignorieren, reagiert Kazuki. Ein falsches Wort, eine unbedachte Geste der Höflichkeit, und sein absoluter Albtraum beginnt. Denn dieses Mädchen will die Rolle seiner kleinen Schwester und zwar um jeden Preis. Damit hat Kazuki nicht nur sein eigenes Ende eingeleitet, sondern auch das seiner echten Schwester, denn die steht jetzt im Weg.

Das Setting ist im heutigen Japan angesetzt, ein junger Student in der ersten eigenen Wohnung, meist zum Abend hin. Diese Alltäglichkeit ist das eigentlich Gruselige der Geschichte, denn der Horror ist nicht fernab der Realität, sondern im eigenen Heim. Der Mangaka nutzt genau diese normale Verbindung zu den Lesenden, um tiefsitzende Ängste vor Kontrollverlust und dem Eingriff in die eigene Privatsphäre zu triggern.

Entgegen meiner Erwartungen von dem ein oder anderen Jump-Scare kam etwas für mich deutlich Schlimmeres: Dieses beklemmende Gefühl, dass man nicht mehr sicher ist in den eigenen vier Wänden und die Bedrohung wächst langsam, aber unaufhaltsam. Es wird teils emotional, aber auch eklig und blutig. Band 1 ist quasi die „Einführung“, denn als Leser/-in lernt man die wichtigsten Charaktere kennen, die Informationen zur Legende und beenden den Band mit einer absoluten Eskalation und einem fiesen Cliffhanger.


CHARAKTERE

Kazuki Ito

Kazuki ist ein durchschnittlicher Student, der eine Fachschule für Design besucht und ein etwas unordentliches Dasein in der ersten eigenen Wohnung führt. Er ist an sich nichts Besonderes, eher der nette Typ von nebenan, zu jedem nett, was ihm hier natürlich zum Verhängnis wird. Sein Verhalten fühlt sich sehr nachvollziehbar und recht authentisch an: von dem unangenehmen Gefühl zu Beginn, hin zu Unglauben, Angst und Überforderung, aber auch einem Willen, nicht einfach aufzugeben.

Hikari Ito

Hikari ist eine junge Teenagerin und Kazukis echte Schwester, die hin und wieder zum Aufräumen vorbeikommt und meist die „nervige“ kleine Schwesternrolle nutzt. Sie ist witzig und unbeschwert, kümmert sich aber um ihren Bruder und ich würde ihre Beziehung als normal und an sich harmonisch einstufen. Die beiden haben auch telefonisch häufiger Kontakt.

Hikari ist mitunter eine Schlüsselfigur, denn ihre Position als Kazukis kleine Schwester ist dem Lolita-Mädchen ein Dorn im Auge. Einerseits sorgt sich Hikari um Kazukis Sicherheit, aber sie zeigt realistisch ihre unbändige Angst, wenn sie selbst auf das Lolita-Mädchen trifft, vor allem als sie zum Ende des ersten Bandes in den Fokus rutscht.

Die mysteriöse Lolita

Das Lolita-Mädchen von der Müllhalde ist natürlich der „Hauptcharakter“. Zwar entstammt sie einer Legende, allerdings hat sie weniger übermenschliche Kräfte, sondern wirkt zum Leiden der Opfer überaus real. Heruntergekommen und auf den ersten Blick labil wirkt sie komisch, aber noch nicht so richtig gefährlich. Doch in Kürze wandelt sich ihr Verhalten in brutale Obsession. Die Darstellung wandelt sich von einer Art Niedlichkeit von einem Moment auf den anderen zu einer widerlichen Horrorfigur, die vor nichts zurückschreckt.


Zeichenstil & Optik

Visuell ist „Ibitsu“ ein kleines Highlight für Fans von Horror-Manga. Haruto Ryos Zeichenstil unterstützt den Verlauf der Geschichte perfekt: Während die Zeichnungen im normalen Storyverlauf recht einfach und klar sind, so wird der Stil detailreich und deutlicher, sobald es an das Lolita-Mädchen und die bedrohenden Szenen geht.

Besonders hervorzuheben ist das unterschiedliche Design des Lolita-Mädchen, denn Ryo erschafft einen krassen Kontrast bei ihr. Einerseits ist da die kindliche Unschuld mit viel Spitze, einem Teddybären und einem Schirm und andererseits ist da der Wahnsinn in ihren brutalen Auftritten, ramponiertes und schmutziges Aussehen und teils fehlt bei Nahaufnahmen die Hälfte des Gesichts (z.B. ist nur der Mund zu sehen und Nase sowie Augen sind nicht gezeichnet).

Der Einsatz von vielen Schatten und Schwarz verstärkt die gruselige Atmosphäre. Gore-Elemente werden gezielt und drastisch eingesetzt, ohne den Manga zum reinen Splatter-Schauplatz verkommen zu lassen. Faszinierenderweise schafft der Mangaka es auch, die widerlichen Gerüche rund um das Lolita-Mädchen darzustellen, was das ganze Gefühl noch unterstützt. Natürlich gibt es zum Ende hin noch die ein oder andere klischeehafte Fanservice-Darstellungen, die es zwar nicht unbedingt gebraucht hätten, aber auch nicht übermäßig stören.


Mein Fazit

Ibitsu“ erfindet das Rad des Horror-Manga nicht neu, aber Haruto Ryo setzt es kurzweilig und passend um. Trotz manchem Klischee ist die Story gut und Gänsehaut-Momente sind garantiert. Eine gruselige Atmosphäre gepaart mit brutalen Szenen lassen den Horror deutlich rüberkommen.

Mir hat der Auftakt gut gefallen, vor allem die Zusatzgeschichte war auch nochmal ein echt guter Bonus (daraus hätte sich auch eine gute kurzweilige Reihe machen lassen), allerdings bleibt die Charaktertiefe noch etwas zurück. Der Cliffhanger ist gut gesetzt und lässt einen gespannt auf die Fortsetzung zurück.

Die Geschichte lässt mich an eine Mischung aus Junji Itos Horror-Geschichten und eine verdrehte und gruselige Version des typischen „Kleine Schwestern“-Tropes denken. Falls man nichts gegen Stalking, Obsession, Brutalität und urbane Legenden hat, sollte man hier mal reinschauen.

⭐⭐⭐⭐
(4/5)

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